19.08.2011

Sich organisieren und Kompromisse schließen

Zeltlager der Sommerwerkstatt der Villa Jühling

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu Gast bei der Sommerwerkstatt 2011

"Die Schuhe könnt ihr hier vorne hinstellen. So könnt ihr da morgen früh gleich reinschlüpfen.“ Im Gras hockend, den Kopf im Zelt gibt Claudia Dalbert zwei Jungs Tipps, wie sie ihr Zelt einrichten können. „Mensch, ich lieg´ schon, ich räum´ das jetzt nicht noch mal um“, antwortet ihr prompt einer der beiden. Eine typische Szene bei der Sommerwerkstatt 2011 an der Villa Jühling. Ungewöhnlich ist an diesem Tag bloß der Besuch aus Magdeburg: die Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Dr. Claudia Dalbert.

70 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren verbrachten an der Villa Jühling in Halle fünf Tage der besonderen Art. „Die Kinder waren von Dienstag bis Samstag hier bei uns. Zunächst lernten sie sich drei Tage lang kennen und danach konnten sie zwei Nächte im Zelt hier bei uns übernachten“, berichtet Katja Plischke (Jugendreferentin in der Villa Jühling, 40). Zwei Ziele verfolge das Evangelische Bildungs- und Projektzentrum mit dem Projekt. Zum einen sollen die Kinder das soziale Miteinander – ohne Eltern – erlernen. Zum anderen sei es oft für beide Seiten der erste Urlaub überhaupt.

„Für mich ist das ein sagenhaftes Projekt – gerade auch wegen der sozialen Komponente. Von den 70 Kindern darf ein Drittel für die Hälfte des Beitrags daran teilnehmen. Zehn Kinder zahlen sogar gar nichts“, freut sich Dalbert. „Eine absolut sinnvolle Sache!“ Für sie als Landtagsabgeordnete sei es entscheidend, bei solchen Aktionen mit den Menschen direkt in Kontakt zu kommen. „Hier spreche ich mit Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuern und Mitgliedern des Vereins ,Villa Jühling‘. So erhalte ich ungefilterten Input für meine politische Arbeit. Wir Grünen wollen die Menschen beteiligen, gemeinsam entscheiden. Das können wir nur, wenn wir miteinander reden, Alternativen erkennen und so gemeinsam Möglichkeiten einer frühen Beteiligung schaffen“, betont Dalbert.

Mittlerweile herrscht an Dalberst Zelt Ruhe. Alle Rucksäcke sind verstaut. Die beiden Jungs auf sind auf Tour. Ihre Nachbarn im linken Zelt haben entdeckt, dass sie ihre Schlafsäcke auch ganz anders „nutzen“ können und veranstalten ein Sackhüpfen

„Solch ein Tohuwabohu gibt es natürlich manchmal. Auf der anderen Seite ermahnen wir die Kinder auch immer wieder, sich selbst zu organisieren. Jede der sieben Gruppen musste für sich selbst ein Regelwerk erarbeiten“, erzählt die Jugendreferentin Plischke. So lauten bei der Gruppe „Metall“ beispielsweise die ersten drei Regeln: Nicht streiten. Wir halten uns an die Zeiten. Wir verlassen nicht das Gelände. Gerade diese Art der Selbstverwaltung findet auch Dalbert enorm wichtig: „Hier schaffen die Kinder etwas für sich selbst, organisieren sich selbst und lernen dabei, Kompromisse zu schließen.“

Natürlich gibt es dabei immer wieder Erfolgserlebnisse. So kommt ein zehnjähriger zu Dalberts Zelt und erzählt stolz, dass er seine Gesellenprüfung geschafft habe. „Ich gehöre zur Gruppe ,Stein‘ und habe es geschafft, ein Auto mit einer Schnur und einem Stift zu verbinden, sodass ich es nun hinter mir herziehen kann“, erzählt der Junge. Er sei ganz überrascht, dass da Besuch aus Magdeburg gekommen sei, aber „über diese Art der Anerkennung seiner Meisterprüfung freue er sich ganz besonders“.

Ganz ähnlich auch die Reaktionen der Betreuerinnen und Betreuer. „Ich finde es sehr gut, dass Frau Dalbert hier dabei ist. Politiker hautnah erleben – das sollte es öfters geben“,  meint Carolin Günther (22, Harzgerode). Ihr Kollege Patrick Hampe (28, Halle) stimmt ihr zu: „Es ist schön, dass Frau Dalbert sich so für unser Projekt engagiert. Das verschafft uns ja vielleicht ein wenig mehr Aufmerksamkeit.“

 

 

Hintergrund Sommerwerkstatt:

Die Sommerwerkstatt 2011 des Evangelischen Bildungs- und Projektzentrums in der Villa Jühling lief vom 16. bis zum 20. August unter dem Titel „Steine, Holz, Papier – unsere Welt, die bau ich mir!“. 25 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer betreuten 70 Kinder in sieben Gruppen. Die Kinder wurden zunächst morgens früh zu Hause abgeholt und abends wieder zurückgebracht. Die letzten beiden Nächte übernachteten sie in einer Zeltstadt.

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